Ortsarme

Arme Kranke – um 1820

den Bür­ger­meis­ter wird es zur Pflicht gemacht über das Erkran­ken armer Orts­ein­woh­ner zu wachen, und so bald, sol­che und sol­chen Armen Ver­mö­gens umständ­ten sich befin­den, daß sie die aert­zt­li­che Hil­fe nicht anspre­chen kön­nen, so muß der Bür­ger­meis­ter ein Attes­tat an den oder ver­schlos­sen an den Arzt oder Wund­arzt über­schi­cken, soll­te aber der Arzt Kos­ten an die Gemein­de ver­lan­gen oder der Apo­te­ker, und kein Attes­tat an den Bür­ger­meis­ter ver­langt haben, oder (erst) über 4 bis 6 Wochen erst das Attes­tat ver­lan­gen, so sind die Kos­ten nicht anzu­neh­men.

Seim


Arme Waise – 1824

Die Gro­s­her­zogl. Wei­sen­haus Dezu­ka­ti­on an den Grhz. Land­rath des Bezirks Rom­rod
Die Erfah­rung wel­che wir bis­her über die Ver­pfle­gung und Erzie­hung armer, der Vor­sor­ge der Wai­sen­an­stalt über­ge­be­nen Wai­sen, bei recht­schaf­fe­nen Leu­ten gemacht haben, hat ein bis daher so erfreu­li­ches Resul­tat geli­cI. . daß wir uns mit ver­läu­fi­ger Bezie­hung auf das höchs­te Publi­can­tum vom 5. Aug. Regs blatt Nr. 45 ver­an­laßt fin­den, zu ver­su­chen, ob nicht für meh­re­re noch im Haus befind­li­che Wai­sen gleich­falls recht­schaf­fe­ne Pfle­ge­el­tern vor­zugs­wei­ße in dem Geburts­ort der Wai­sen auf­ge­fun­den wer­den kön­ne, denen man mit Ver­trau­en die Pfle­ge und Erzie­hung über­las­sen kann. Wir for­dern in die­ser Bezie­hung daß die Pfle­ge­el­tern, das Kind mit guten Nah­rungs­mit­teln ver­se­hen, in Wäsche u. Klei­dung unter­hal­ten, es an Sitt­lich­keit Ord­nung, Thä­tig­keit u. Rein­lich­keit gewöh­nen und zur Kir­che u. Schu­le erhal­ten, auch die nöti­ge Bücher und Schreib­ma­te­ri­al stel­len, und es in allen Stü­cken behal­ten, wie ihre Kin­der. Nur in Krank­hei­ten wer­den die Zule­gungs­kos­ten von der Wai­sen­ver­sor­gungs­an­stalt über­nom­men. Das Kind bleibt der Erzie­hung der Pfle­ge­el­tern bis nach der Con­vir­ma­ti­on, auf Kos­ten der Anstalt über­las­sen, es sey denn daß die Eltern ihre Schul­tig­keit nicht thun, für die­sen Fall behält sich die Dezu­ta­ti­on jeder­zeit und ohne wei­te­re Auf­kün­di­gung vor, das Kind zurück zuneh­men, bis dahin aber bezahlt die Wei­sen­kas­se, das über­ein­ge­kom­me­ne Ver­zie­le­geld in halb­jäh­ri­gen oder ein­jäh­ri­gen Zieh­ler, auf das Zeug­niß des Orts­geist­li­chen und Bür­ger­meis­ters, daß das Kind gesund und ort­mä­ßig unter­hal­ten und erzo­gen wor­den gegen die Quit­tung des Pfle­ge­vat­ters. Mit Zugrund­le­gung die­ser Bedin­gun­gen ersu­chen wir Sie für die Wach­be­mel­te aus ihrem Bezirk gebür­ti­ge Wai­sen durch den Bür­ger­meis­ter ihres Geburts­orts unter bey­rath des Hes. Grs. Geist­li­che mit dazu geei­gen­schafts, nicht ver­mö­gens­lo­sen Leu­ten einen Ver­pfle­gungs­ort abschlie­ßen u. die Geneh­mi­gung vor­be­hal­ten zu las­sen.

Ernst Hen­kel, aus Nie­der-Brei­den­bach – 10 Jah­re
Kon­rad Hen­kel, aus Nie­der-Brei­denb. – 11 Jah­re
Katha­ri­na Wolfais – Brau­er­schwend – 10 Jah­re
Katha­ri­na Strak aus Storn­dorf – 11 Jah­re
Eli­sa­be­tha Schar­man Fel­da – 10 Jah­re

Darm­stadt den 28. Okt. 1824


Betrifft Betteln – 1822

In Gefol­ge vor­lie­gen­der hin­läng­lich bekann­ter Ver­ord­nun­gen wird das Bet­teln hier durch wie­der­holt ver­bo­ten, und den sämt­li­chen Gro­shz. Bür­ger­meis­ter auf­ge­ge­ben sol­che Ver­an­stal­tun­gen zu tref­fen, daß jeder Ein­zel­ne Ort selbst sei­ne Arme ernäh­ren muß, wie und auf wel­che Wei­ße die­ses am füg­lichs­ten gesche­hen kann, wie die vor­läu­fi­ge Ein­rich­tun­gen und den Ort­schaf­ten pro­vi­so­risch getrof­fen wer­den, wel­che fonds hier­zu etwa in sol­chen vor­lie­gen, oder noch gebil­det wer­den kön­nen, dar­über erwar­tet man nach vor­he­ri­ger berat­hung des Orts vor­stan­des, beson­ders auch unter Com­mu­ni­ca­ti­on mit den Grhzl. Orts­geist­li­chen schläu­nigst mög­li­chen Bericht, zugleich aber auf die offi­ci­el­le Ver­si­che­rung der Bekannt­ma­chung und Pro­vie­sori­schen befol­gung die der Poli­zei­li­chen Vor­schrift, daß die orts­po­li­zey, die Tag­wach­ter, Spieß­män­ner auf der Stel­le ange­wie­ßen wer­den, das Bet­teln zu ver­hin­dern nach vor­aus­ge­gan­ge­ner Ver­war­nung beim 2ten bet­ret­ten mäßi­ge kör­per­li­che Züch­ti­gung ein­tret­ten zu las­ser ver­steht sich von selbst. Für ganz frem­de noth­lei­ten­de Pas­san­ten muß in jedem Ortt als­bald eine Ver­an­stal­tung getrof­fen wer­den, daß zwar das bet­teln auch von die­sen unter­bleibt, jedoch auf Anwei­sung des Bür­ger­meis­ters in den geeig­ne­ten Fäl­len eine Unter­stüt­zung gelei­tet wird. Alle Orts­vor­ge­setz­te wer­den für gründ­li­che Beach­tung die­ser Vor­schrif­ten ver­ant­wort­lich gemacht,

Rom­rod den 13. Dez. 1822
der Land­rath Fol­le­ni­us


Vom Tragen der Leichen – 1826

Gie­ßen, am B. July 1826 die Ver­wal­tungs­be­rich­te der Land­räthe in der Pro­vinz Ober­hes­sen ins­be­son­de­re die Thod­ten­hö­fe, und das tra­gen der Lei­chen betr.
die Gro­shzl. Hess. Regr. der Prov. Ober­hes­sen an die Gro­shzl. Land­ra­the die­ser Pro­vinz Höchs­ten Orts ist unser Antrag, daß in den­je­ni­gen Orts­schaf­ten, die kei­nen eig­nen Kirch­hof haben, die Lei­chen bis in die Nähe des Kirch­hofs gefah­ren wer­den sol­len, geneh­migt wor­den. Wenn indes­sen in einem sol­chen Fal­le die Lei­che in der Nähe des Kirch­hofs ange­kom­men ist, so steht nichts im Wege, sie hier abzu­la­den und zu Gra­be zu tra­gen. – Es wird jedoch den Ort­schaf­ten über­las­sen, hier­zu einen gewöhn­li­chen, oder einen beson­de­ren Wagen zu gebrau­chen.

Eck­stein

Die Bür­ger­meis­ter haben hier­über genau zu wachen, daß bei schwe­rer Stra­fe kei­ne Lei­che mehr getra­gen wird, und hier­über zu berich­ten.
Rom­rod, d. 28. Sept. 1826
Fol­le­ni­us