Landschaft

Das Gänse halten betr. – um 1820

So ver­derb­lich das Gän­sehal­ten auch an sich ist, so wird sol­ches noch nacht­hei­li­ger und uner­träg­li­cher dadurch, daß in man­chen Orten Gän­se gehal­ten wer­den, ohne daß für einen rich­ti­gen Gän­se Hirth gesorgt ist. Es wird daher ver­ord­net, daß zwar das Gän­sehal­ten jeder­man Frey­s­te­hen soll, daß aber sol­che nicht anders gehal­ten wer­den dür­fen, als wenn die­sel­be ent­we­der im Stall oder Hof­raum des Eig­en­thü­mers blei­ben, oder einen siche­ren Gän­se­hirt ver­traut wer­de. Im letz­te­ren Fall, da bekannt­lich kein Stück Vieh frißt, wo Gän­se zu sein pfle­gen und ihren Unrath abwer­fen, muß dem Hirth ein Bezirk ange­wie­sen wer­den.
Wer außer den Hirth Gan­se auf frem­dem Eig­en­t­hum her­um lau­fen läßt und zu Scha­den gehen, hat sichs selbst bei­zu­mes­sen. Wenn der frem­de Eig­en­thü­mer die Gan­se auf sei­nem Grund und Boden Tod schlägt, eine Kla­ge auf Scha­den ersatz wird in sol­chen fäl­len nicht ange­nom­men. Die­ses ist offent­lich bekannt zu machen.
Rom­rod, d. 22. Mey


Krankheit des Viehes – 1827

Es ist bekannt, daß bey den meis­ten Krank­hei­ten der Pfer­de, Och­sen und Schwei­ne durch klis­tie­ren gehol­fen wer­den kann und meh­re­re kran­ke Vieh kre­pie­ren, weil man kei­ne Clis­tier­sprit­ze, auch nie­mand im Ort hat der damit umzu­ge­hen weiß. mach­ver­ord­ne­te Regie­rung die­ses Gebre­chen ein­se­hend, hat daher ver­fügt, daß in jeder Gemein­de eine sol­che Sprit­ze ange­schaft, ein Mann zu deren Anwen­dung vor­ge­schla­gen u. vom Gro­shzl. Gestits­meis­ter kurz unter­rich­tet wer­den sol­le. Die Ghzl. Bür­ger­meis­ter wer­den daher auf­ge­for­dert bin­nen 8 Tage bey abho­lung hier­her zu berich­ten und einen Mann in Vor­schlag zu brin­gen, zu sol­chen Leu­te sol­le vor­züg­lich ein Mann genom­men wer­den, wel­cher immer zu Haus ist.
Rom­rod, d. 7. Febr. 1827
fol­le­ni­us

Der Vor­anschlag v. 1827 soll in Zeit 8 Tage ein­ge­lie­fert wer­den.


Verordnung das Mahlen betr. – um 1820

Ver­ord­nung das Mah­len auf Sonn u. Fest­ta­gen betr.
Da die die­sen Gegen­stand betr. Ver­ord­nung von 1705 u. 1720 in den neu erwor­be­nen Lan­den abso­lut gewor­den ist, eine neue all­ge­mei­ne bestim­mung aber nicht erfolgt ist, so ist von Mit­ter­nach zu Mit­ter­nacht, das heißt von Sams­tag 12 Uhr bis die ande­re Nacht 12 Uhr das Mah­len zu unter­las­sen. Es ist aber mit den Müh­len wel­che weit von Ort­schaf­ten ent­fernt lie­gen mit den in orten ein Unter­schied, daß die Andacht und Ruhe an Sonn u. Fest­ta­gen, nament­lich wäh­rend der Dau­er des Got­tes­diens­tes nicht gestört wer­de, wonach also bey den­je­ni­gen Müh­len, wel­che in Ort­schaf­ten oder in der Nähe lie­gen ande­re Rück­sich­ten ein­tret­ten als bey den weit ent­fern­ten.
Eck­stein
Gop­pe


Flachs und Hanf dörren – 1823

Gie­ßen am 13ten Mey 1823
Die Modi­fi­ca­ti­on der Ver­ord­nung vom lOten Mey 1791 wegen zu berei­tung des Flach­ses und Han­fes die Groß­her­zogl. Hes­si­sche Regie­rung der Pro­vinz Ober-Hes­sen an sämtl. H. Land­räthe und Land­raths­vi­ca­ri­en die­ser Pro­vinz
Schon in den Jah­ren 1812–1915 ist ver­schie­de­nen Ämtern und Gerich­ten der Pro­vinz Ober­Hes­sen auf ihr nach­su­chen höchs­ten orts ver­stat­tet wor­den, den Flachs in den Scheu­ern und Hof­reit­hen zu berei­ten zu dür­fen, jedoch unter fol­gen­den Bedin­gun­gen
1. daß bey Zucht­haus­stra­fe die zu berei­tung nie­ma­len bei licht oder Later­ne, noch bei taback­rau­chen oder bei Kohl­feu­er gesche­he.

2. Daß bet­glei­cher Stra­fe der Flachs, wel­cher in den Scheu­ern oder Hof­reit­hen berei­tet wer­den nie an Feu­er oder am Ofen, son­dern blos an der Son­ne gedorrt,

3. Daß der außer­halb der ort­schaf­ten etwa am Feu­er gedör­ter Flachs bey 50 Kr Stra­fe nicht unbe­rei­tet in den ort gebracht wer­de.

Daß die­se frü­he­re, zu Guns­ten ein­zel­ne Ämter und Gerich­ten gesche­he­ne Mode­fi­ca­ti­on der rubri­cir­ten Ver­ord­nung nun mehr sämt­li­che Ein Woh­ner die­ser Pro­vinz in glei­chem Maße gestat­ten kön­ne, hal­ten wir die Bestim­mung des ort 18 der der Fas­sungs urkl. des Groß­her­zog­t­h­ums u. set­zen daher hier durch sämt­li­che H. Land­ra­the davon in Kent­niß, da mit sie die Hh. Bür­ger­meis­ter so wie über­haupt die­je­ni­gen Offi­ci­an­ten, wel­che auf die Beob­ach­tung der gedach­ten Ver­ord­nung zu sehen haben, nach jener Modi­fi­ca­ti­on instrui­ren, auch in vor­kom­men­den den­un­an­ti­ons fal­len selbst rück­sicht dar­auf neh­men kön­nen.

für die aus­fer­ti­gen­de Rom­rod den 26ten May 1823
Hol­le­ni­ers u. Pie­thek


Glockenläuten – um 1820

Die Groß­herzl. Hess. Regie­rung der Pro­vinz Ober­hes­sen an sämt­li­che Gro­shzl. Land­räthe der­sel­ben Pro­vinz.
Es ist zur Spra­che gekom­men, ob noch irgend­wo in Ort­schaf­ten der hie­si­gen Pro­vinz die Sit­te bestehet, daß wäh­rend eines Gewit­ters geläu­tet wer­de. Wir for­dern die Gro­shzl. Land­räthe daher auf, bin­nen 14 Tage zu berich­ten, ob und in wel­chen Ort­schaf­ten die­ses noch gesche­het, und auf den Fall sol­ches noch gesche­hen soll­te, geben wir Ihnen auf, sol­ches zu ver­bie­ten.

für die Aus­fer­ti­gung E. App