Feldatal

Fachwerkkirche Stumpertenrod

Fachwerkkirche Stumpertenrod

Auf einer an der Stumpertenröder Pfarrkirche angebrachten Inschrift ist festgehalten, dass der Kirchenbau im Jahr 1696 errichtet („erectum") und erst im Jahr 1712 eingeweiht („consecratum") wurde.
Die Vorgängerkirche wird in Unterlagen des Jahres 1628 als „baufällig" bezeichnet. Im Jahr 1687 wurde wegen „Reparierung der sehr baufälligen Kirche und Kirchenthurns" verhandelt. Nachdem die Kirche um die Mitte der 90er Jahre des 17. Jahrhunderts niedergelegt eurde, wird im Dezember des Jahres 1996 berichtet, daß „der Kirchenbau bis auff den Thurn von dem Zimmermann verfürtigt und mit der Gotteshülf glücklich aufgeschlagen" sei. Mit dem weiteren Ausbau ging es aber nur langsam voran, weil die Gemeinde für Kirchenneubau „bey anderthalb tausend Gülden" ausgegeben hatte und nicht mehr imstande war, weitere Mittel aufzubringen. Man musste deshalb im Jahr 1697, nachdem die Kirche „in die Mauer und Dach gebracht", den Gottesdienst in der noch unausgebauten Kirche beginnen. Dazu kam, dass die Gemeinde beim Einkauf der Schiefersteine für das Kirchendach „mit denenselben übel versehen worden". Viel der Steine - „ganz faul" - fielen vom Dach. Die Gläubigen konnten bis zum Jahr 1704, in dem man die „üblen Schieferstein" beseitigte, „in der Kirch bey gehaltenem Gottesdienst nicht mehr trocken sitzen". Der Innenausbau aber wurde erst im Jahr 1712 vollendet und das Gotteshaus dann offiziell eingeweiht.

Die mitten im Dorf stehende Kirche, die größte Fachwerkkirche Hessens, ist ein Saalbau mit dreiseitigem Schluss, Satteldach mit Krüppelwalm und Laternendachreiter. Das kraftvolle zweigeschossige Fachwerk ist mit durchgehenden Eckstreben ausgeführt. Im unteren Teil findet sich ein Band von Streben und Gegenstreben, oben eine Reihung von Hessenmannfiguren. Ursprünglich war wohl das gesamte Fachwerk sichtbar, später wurde es bis auf die West- und Nordwand sowie eine Seite des Chorpolygons verschindelt, im Jahr 1906 aber an allen Chorseiten die Schindeln entfernt, jedoch bis heute Zug um Zug die Felder des Chores wieder überdeckt. Das schmuckreiche, von gedrehten Säulen gerahmte Portal mit geschweiftem Giebel wird oft als ausgezeichnetes Werk Vogelsberger Volkskunst eingestuft.

Im Inneren zieht sich eine Empore an der Westseite und - zweigeschossig - an der Südseite entlang, hinzu kommt im Osten die Orgelempore. Den Raum überfängt eine flache Holztonne mit Quergurten. In der Gewölbemitte schwebt ein Pelikan, über der Westempore aber blickt grimmig ein Männerkopf – ein Schreckkopf oder nur das Portrait des Baumeisters? Die Kanzel an der Nordwand, mit Rundbogenarkaden und konischen Pilastern, einschließlich des Schalldeckels mit Schnirkelkrone, stammt aus dem Jahr 1617. Auch an der Nordwand befindet sich der Barockepitaph des ehemaligen Pfarrers Kreuder.

Anlässlich einer Restaurierung des Jahres 1906 wurden an den Emporenbrüstungen Gemälde - Christus und Luther inmitten der zwölf Apostel, an der Oberempore die vier Evangelisten - freigelegt und wiederhergestellt. Aus dieser Zeit stammen auch zwei gestiftete Glasfenster - der gute Hirte und der Sämann - damals vom Glasmaler Voege in Mannheim ausgeführt. Die Fenster hielt später der Architekt der Kirchebauverwaltung für einen Stilbruch und wollte sie entfernen lassen. Die Ortsbewohner aber wollten und konnten das erhalten, was ihren Eltern und Großeltern wertvoll war.